Nach dem heißesten Sommer seit es Aufzeichnungen gibt, war die kurze Abkühlung der letzten Tage wirklich gut und notwendig. Die Natur konnte nach extremer Trockenheit wieder ein wenig aufatmen. Doch das war nur der eine, vielleicht wichtigste Teil der Abkühlung. Auch die Massen an Badegästen wurden kurzzeitig verschreckt und haben es bei rund 15 Grad Lufttemperaturen verschmäht auch nur eine Zähe in das Wasser, mein Angelwasser zu stecken. Weg waren sie alle, wie ausgelöscht… der ein oder andere verlorene Flip-Flop zeigte noch letzte spuren dieses illegalen Sommervergnügens… doch sie waren weg, alle weg und es war angenehm kühl, ja fast schon frisch am Wasser. Nun hatte ich sie wieder, meine Hotspots waren wieder frei, am Ufer frei von Badematten, weißen Einhörnern mit Regenbogenmustern oder pinken Flamingos. Er kehrte wieder kurzzeitig ruhe ein für drei Tage,  wovon ich einen Nachmittag wieder mal zum Angeln nutzte. Ich bin ja wirklich schon seit einigen Jahren aus der Phase raus, in der ich mit totaler Regenmontur stundenlang am Wasser stand, bis sich die geflochtene Schnur beim Auswerfen, in die von Regen aufgeweichte Haut am Zeigefinger schnitt. Nein diese Phase habe ich durchlebt mit allen Höhen und Tiefen. Diesen Wahnsinn überlasse ich mittlerweile den Young Guns und gehe dann ans Wasser, wenn der Regen vorbei ist. Da sich die verweichlichte Jugend von heute bei so einem Sauwetter eh nicht mehr ans Wasser traut, hatte ich auch keine Angst, dass mir jemand in den beiden Tagen mit Dauerregen meine Hotspots verheizt.

Wo stehen die Raubfische nach einem Wetterumschwung?

Also grundsätzlich hab ich die Erfahrung gemacht, dass sich die Hechte bei extrem hohen Temperaturen und langen Hitzewellen dann doch lieber einen Stock tiefer stellen und nicht mehr so oft im Mittelwasser an den Krautkanten anzutreffen sind. Das heisst, tiefe Löcher oder Gräben sind angesagte Hotspots um den total aggressiven Sommerknaller an Hecht zu erwischen. So war es auch eine Woche davor noch. Ich konnte fünf schöne Hechte in kurzer Zeit auf ganz speziellen, tiefen Sports vom Grund pflücken. Ja, klingt komisch, ist aber so… bei mir ist an diesem Gewässer an heißen Tagen die bewährteste Methode das Jiggen schlanker Köder über den Gewässergrund. Nein nicht auf Zander, die Hechte steigen so am laufenden Band ein. Man muss nur die passende Stelle finden, steinig, am besten ohne Unterwasserpflanzen, um das Nervenkostüm des Anglers zu schonen und da sind sie dann auch schon. Direkt überm Grund steigen die Hechte knallhart ein, meist in der Ruhephase, wenn der Köder am Jigkopf am Gewässerboden steht.

Doch nach er Abkühlung war diese Methode überhaupt nicht angesagt. Ich jiggte eine ganze Stunde die Rinne und auch alle umliegenden, tiefen Stellen aus allen Richtungen durch, Fehlanzeige! Keine Reaktion, kein Biss, der ganze Bereich war wie ausgestorben. Ich dachte mir wirklich schon, dass mir an diesem Tag jemand zuvorgekommen sei und mit den Spot abgeheizt hat. Doch so einfach aufgeben entspricht nicht meinem Naturell und so hängte ich statt den feinen, langen und schlanken ködern den brachial flankenden Westin ShadTeez ein. Diesen jiggte ich nicht wie die Köder davor über den Gewässergrund, sondern ich versuchte ihn so nah wie nur möglich an die Krautfelder hinzuwerfen und zack! Beim ersten Wurf schon ein satter biss, den ich aber trotz Stinger nicht verwerten konnte. Nach weiteren würfen und komplett unregelmäßigem Einholen in der Mittelwasserzone kam ein weiterer kraftvoller Biss, diesmal verrichtete der Stinger aber seine Arbeit und der Drilling saß perfekt. Nach einer wirklichen und drei angetäuschten Fluchten gab der Hecht auf und lies sich mühelos ans Ufer drillen. Ja bei diesen Wassertemperaturen muss man wirklich darauf achten, den Raubfisch nicht unnötig stress zuzufügen, da sie ansonsten leicht das zeitliche segnet und sie beim Releasen spätestens den Löffel abgeben. Also sachte gegenhalten, aber nicht irgendwie aggressiv den Hecht reinpeitschen… das bekommt ihnen im Sommer gar nicht gut.

Der schöne 85er wurde schnell schonend mit einem Kiemengriff gelandet und nach zwei, drei Fotos wieder sanft und schonend in seine Wasserwelt entlassen.

Ich befürchte meine Spots weiter mit dieser angepassten Technik und fing so noch dein ein oder anderen halbstarken Hecht. Ein größeres Exemplar steig mir leider schon wieder fast vor den beinen aus, drehte ab und verschwand wieder in die Tiefen des Sees.

Mein Setup auf Raubfische nach einem Wetterumschwung…

Bei all meinen Angelausflügen begleitet mit nun schon seit Jahren meine Westin W4 Powerlure und hat mich noch keine Sekunde in Stich gelassen. Der Korkgriff hält, die Ringe sehen aus wie am ersten Tag, der Blank verzeiht so einiges an Schlägen und Kratzern, einzig der Lack an der Köderöse ist schon etwas ausgebrochen und abgesplittert, aber die gut platzierten Wicklungen halten bombenfest und somit machen sich auch diese Gebrauchsspuren nicht sonderlich bemerkbar. Bestückt ist das gute Ding mit meiner Daiwa Exist 2015er Modell welche mit einem feinen Spiderwire Codered Zwirn umwickelt wurde.

Raubfisch nach Wetterumschwung

Mein Erfolgsköder im Mittelwasser? Naja darüber hab ich schon 100 mal berichtet und auch noch nie ein Geheimnis darüber gemacht… es ist und bleibt der ShadTeez an diesem Gewässer. Stark dynamisch gefischt, also unruhig schneller und langsamer, dann wieder mal eine Absink-Phase… egal wie, die Bisse kommen sowohl im Absinken, als auch beim Aufnehmen von Speed, wenn man ihn mal zwischendurch so richtig anjiggt. Die geflochtene Spiderwire Schnur mach auch den ein oder anderen Wurf ins Kraut wieder gut, da sie sich durch die doch eher raue Oberflächenstruktur, bei einem starken Anhiebe zwischendurch, wie eine Kettensäge durchs Kraut schneidet.

So, nun hab ich euch wieder mal einiges verraten und hoffe das ihr mit diesen kleinen Tips auch erfolgreich am Wasser seid… und keine Sorge, der Herbst beginnt erst so richtig in ein paar Wochen… es bleibt also noch genügend Zeit um euren Raubfisch des Lebens zu fangen 😉

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